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Hitzeschutz in der Verkehrsplanung

Die Hitze der vergangenen Tage hat gezeigt, dass Klimaanpassung in den Städten kein Luxus ist, sondern Notwendigkeit. Das berücksichtigen wir in unseren Konzepten.

Die Bedeutung blau-grüner Infrastruktur ist in Mitteleuropa lange unterschätzt worden. Nur zwei Beispiele: Wien begrünt derzeit in der viel gelobten Seestadt Aspern – nicht zuletzt auf Druck einer Anwohner-Initiative – viele Plätze nach; nur wenige Jahre nach Fertigstellung der ersten Quartiere. Ziel: In dem jungen Stadtteil sollen das Mikroklima verbessert und Hitzeinseln vermieden werden. In Dortmund hat sich die Stadt nach langem Zaudern vor anderthalb Jahren dazu entschieden, eine zentrale Straße in der City komplett neu zu konzipieren. Die nur im Randbereich umgesetzten Pläne für den „Boulevard Kampstraße“ sahen wenig Grün und keinerlei Hitzeschutz vor, dafür aber einen dunklen Bodenbelag. In den neuen Plänen spielt Klimaresilienz jetzt eine zentrale Rolle.

Hitze-Tool entwickelt

Die Extremtemperaturen der vergangenen Tage zeigen, wie wichtig das ist. Gerade auch in der Verkehrsplanung. Die Planersocietät beschäftigt sich intensiv mit dem Thema. Ein Beispiel: In Hamburg erstellen wir einen Leitfaden zur Gestaltung der Haltestellenumfelder. Dafür haben wir unter anderem ein Analysetool entwickelt, das ermittelt, wie stark Haltestellen und ihr Umfeld von Hitze betroffen sind. Das Tool zeigt den Handlungsbedarf für jede Haltestelle an, etwa für temporäre Begrünung oder für Verschattung, speziell auf den Zuwegen. Die Basisdaten dieses Tools entstammen der Stadtklimaanalyse der Stadt.

Flächenkonkurrenz

In Hildesheim haben wir das Mobilitäts- und Klimaanpassungskonzept für die Hildesheimer Neustadt erstellt, gemeinsam mit bgmr Landschaftsarchitekten. Die Themen Mobilitätsentwicklung und Klimaanpassung wurden bei der Gestaltung der Straßenräume der Neustadt explizit zusammen gedacht. In dem Projekt zeigte sich beispielhaft, wie groß die Flächenkonkurrenz ist, wenn Mobilitätsangebote (inklusive Parkplätze) auf den Wunsch nach Entsiegelung und mehr Grün, mehr Bäumen treffen. Hier muss immer wieder neu verhandelt werden. Wobei klar sein sollte: an Klimaresilienz kommt keine Stadt mehr vorbei.

Autos sind wie kleine Heizungen

Hinzu kommt: Autos sind wie kleine Heizungen in der Stadt, je mehr davon herumfahren (oder auch stehen), desto mehr heizen sie die Städte auf. Nachhaltige Mobilität - Radfahren, Zufußgehen, Bus- und Bahnfahren - dient mithin nicht nur dem Klimaschutz, sondern senkt auch kurzfristig die Temperaturen in den Städten. Das muss berücksichtigen, wer Mobilität plant. In allen Bereichen, in allen Konzepten.

29. Juni 2026